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Finanzlexikon: vwl

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Gesellschaftsvertragstheorien (engl. social contract theories) sind Theorien, die das Entstehen von Staat bzw. Gesellschaft durch ein Übereinkommen (Vertrag) zwischen Individuen erklären. Die Theorien entstanden im 17. und 18. Jahrhundert, die bekanntesten Gesellschaftsvertragstheoretiker sind Thomas Hobbes, John Locke und Jean-Jacques Rousseau.

Das Herausbrechen des Individuums und des Staates aus der mittelalterlichen Weltordnung und die daraus entstehenden Konflikte (insbesondere die Religionskriege) werfen die Frage nach dem Warum und dem Wie der 'politischen' Ordnung erneut, und mit bisher unbekannter Vehemenz auf. Eine spezifisch 'moderne' Antwort auf diese Frage ist die Vertragstheorie.

Für die Vertragskonstruktion sind notwendig: erstens der Begriff des Individuums, das dem Vertrag zustimmen soll, zweitens der Begriff des Staates oder der Gesellschaft (Hobbes spricht vom "body politic"), der oder die das Ergebnis des Vertragsschlusses sein soll, und drittens das Denken in Ursache-Wirkung-Zusammenhängen, hier die Suche nach der ersten Ursache für das Entstehen eines Staatsgebildes (Diese drei Voraussetzungen sind aber gleichzeitig die Merkmale der Moderne, und Gesellschaftsvertragstheorien sind in diesem Sinn "modern").

Die Vertragskonstruktion ist die Antwort auf die Frage nach dem "Warum existiert der 'body politic'?" (im Sinne von "Wie ist er entstanden?"). Dabei zeichnet sich das Vertragsdenken durch einen argumentativen Dreischritt aus: Die Menschen wechseln durch den Abschluss eines Vertrages vom Naturzustand in den Gesellschaftszustand (Staat) (vgl. Kersting in Nohlen u Schulze 1995:680). Dabei handelt es sich allerdings um einen gedachten Prozess, sowohl Vertragsabschluss als auch Naturzustand sind Vorstellungen, dass es so gewesen sein könnte: Statt von Vertragskonstruktion kann man deshalb auch von konstruktivem Konstrukturalismus sprechen.

Dass das Konzept der Vertragstheorie auch im 20. Jahrhundert noch nicht völlig überholt war, zeigt "Eine Theorie der Gerechtigkeit" von John Rawls. Rawls greift die Idee des Naturzustandes von Hobbes auf, in dem er einen "Schleier des Nichtwissens" denkt, der verhindert, dass die Individuen ihre Position in der Gesellschaft kennen.

Zwei der bedeutendsten vertragstheoretischen Texte entstehen jedoch im 17. Jahrhundert: Thomas Hobbes' Leviathan (1651) und John Lockes Two Treaties on government (dt. Zwei Abhandlungen über die Regierung). Zu den bekanntesten Kritikern zählt C. B. Macpherson mit "Die politische Theorie des Besitzindividualismus. Von Hobbes bis Locke" (dt. 1973).

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